Allgemeines aus dem Hohes VennGeschichtliches aus dem Hohen VennGeologisches aus dem Hohen VennBotanisches aus dem Hohen VennOrnithologisches aus dem Hohen Venn
Das Ökosystem Moor Die Via Mansuerisca Gerölle und Steine Geschichte der Wälder Brutvögel im Hohen Venn
Eine Sage Das Kreuz der Macht Palsen und Pingos Das Torfmoos-Spaghnum  
Eine Geschichte Unternehmen "Stösser"

Wissenswertes!

In diesem kleinen Nachschlagewerk finden Sie Artikel zu Themen aus den Bereichen der Naturwissenschaft, der Geschichte und so mansches mehr. Natürlich dreht sich dabei alles rund um das Hohe Venn.
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Eine unheimliche Geschichte aus vergangenen Tagen - Die Totenwache

Allgemeines aus dem Hohen Venn


Aus grauer Vorzeit war wohl der Brauch überliefert, bei einem Toten zu wachen, bis er nach der Aufbahrung "auf dem Schoof" endgültig der Erde anvertraut wurde. Warum wachte man besonders in den Nächten bei dem Toten? Dafür gibt es zwei Gründe, die beide mit dem alten Dämonen- und Geisterglauben in Zusammenhang stehen. Einerseits empfand man eine gewisse Furcht vor dem Leichnam, dem man noch schädliche Kräfte zutraute, anderseits bestand die Gefahr, dass die bösen Dämonen diesem Leichnam, solange er noch nicht beerdigt war, Schaden zufügten.
Zur Abwehr dieser möglichen Gefahren nun wachte man im Sterbehause in den Nächten vor der Beerdigung. Von einer solchen Totenwache erzählt die folgende Geschichte:
Es war vor vielen Jahren, als noch keine Eisenbahn und kein Auto die Abgeschiedenheit der Dörfer am Rande des Hohen Venns störte. Da gehen an langen, düsteren Wintertagen, wenn der Vennsturm um die Häuser wütet, wenn die Bauern in den dürftig beleuchteten Stuben bei flackerndem Feuer und trüben Öllämpchen sitzen und die Mädchen beim surrenden Spinnrad versammelt sind, ernste und dunkle Geschichten von Mund zu Mund. Viele glauben noch an Spuk und Hexen, bekreuzigen sich verstohlen an einsamen Scheidewegen. Irrlichter geistern in den gefährlichen Mooren des Hohen Venns, in dessen sumpfigen Weiten mancher für immer geblieben ist.
In einem der stillen Dörfer am Hohen Venn lebt die alte Jungfer Kathrin ihr hartes und entbehrungsreiches Leben in ihrem strohgedeckten Hause. Von Arbeit, Wind und Wetter, von Mühe und Plage ist ihr Körper ausgemergelt und hart geworden. Ihr Gesicht ist schmal und faltig, von Entbehrungen verschlossen und streng gezeichnet. Graues, straff zurückgekämmtes Haar umrahmt es unter dem eng anliegenden Kopftuch. Der Hände Arbeit gibt ihr das Notwendigste an Nahrung, Kleidung und Wärme.
Aber Gott sei Dank ist das harte Dasein auf dieser Erde ja nur die Vorbereitung auf das ewige Leben in Glück und Seligkeit im erhofften Jenseits; denn darauf sind alle ihre Gedanken und Sehnsüchte ausgerichtet, davor verschwinden Plagen und Mühsal der irdischen, einsamen Tage.
Die geringen Erträge an Kartoffeln und einfachem Gemüse sind nun wieder einmal eingekellert für den kommenden Winter. Außerdem hat Kathrin mit knotigen und zerschundenen Händen einen stattlichen Stapel kleiner Reisigbündel (Schängsjer) vor ihrem Häuschen aufgeschichtet; so ist bei einem sparsamen Gebrauch für einen weiteren, strengen Winter vorgesorgt.
Doch der Herr über Leben und Tod hat anders beschlossen. "Freund Hein" klopft nach plötzlicher Krankheit an. Nach wenigen Tagen auf der kargen Strohbettstatt, nach dürftiger Pflege durch die Frauen der Nachbarschaft gibt der ausgemergelte Körper den Kampf auf. Die Lebensflamme ist erloschen.
Das beste Stück des in mühsamer Arbeit gewebten Leinens wird zum Totenhemde genäht. Nach altem Brauch liegt die Kathrin nun aufgebahrt in ihrer guten Stube. In den gefalteten Händen hält sie das von einem abgegriffenen Rosenkranz umschlungene Sterbekreuz. Am Kopfende stehen geweihte Kerzen. In einem Wasserglas steckt ein Buchsbaumzweiglein, mit dem die trauernden Verwandten und Nachbarn die Leiche mit Weihwasser besprengen.
In den Nächten vor der Beerdigung wird von den Männern der Nachbarschaft die Totenwache gehalten. Die erste und die zweite Nacht sind bereits vorüber.
Für die dritte Nacht sind der "Lange Wellem", der "Drücke-Pitt" und der "Hardt-Jupp" an der Reihe. Der Wellem ist der größte Mann im Dorfe und mit seinem vollen, grauen Haar eine recht stattliche Erscheinung. Pitt steht diesem an Größe einen Kopf nach, ist bedeutend jünger, zeigt aber schon ein von scharfen Falten durchzogenes Gesicht. Aus den tief sitzenden Augen blicken Schalk und Verschlagenheit hervor. Der Jupp ist von Gestalt her klein, aber wohlgenährt. Das Bemerkenswerteste an ihm ist sein mächtiger Schnurrbart und der straff nach oben gebürstete Haarschopf.
Es ist richtiges Novemberwetter. Graue Regenwolken jagen vom Hohen Venn herab. Der Sturm rast um die Häuser, dass das Balkengefüge knarrt und bebt. Unruhig flackern die Flammen in den offenen Herdfeuern.
Die Totenwache bei der alten Kathrin hat die vorgeschriebenen Rosenkränze und sonstigen Gebete für die Verstorbene längst unter gleichförmigem Gemurmel abgeleiert. Der feuchten und ungemütlichen Kälte wird von außen und von innen mit Erfolg zu Leibe gegangen. In loderndem Feuer verbrennt ein Reisigbündel nach dem anderen. Gespenstische Schatten der kantigen Bauernschädel tanzen über die geweißten Wände der Küche. Zur inneren Erwärmung kreist die Flasche mit Reichensteiner in der Runde.
Von Wetter, Ernte und den lieben Nachbarn sind die Gespräche längst auf seltsame Begebenheiten, alte Geschichten von Verirrten, von Toten und geheimnisvoll Wiedergekommenen übergegangen.
Mitternacht ist vorüber. Der Sturm heult und stöhnt. Die Herdflamme flackert höher und wilder umher.
Die zweite Schnapsflasche ist schon angebrochen. Durch die offene Tür wird die Kathrin ab und zu von zuckenden Lichtern gestreift. Die Augen der drei werden glänzend und lebhaft. Schneller gehen die Gespräche hin und her. Der "Lange Wellem" versorgt das Feuer. Wozu sparen? Die Kathrin ist tot. Ein Bündel nach dem anderen wandert den Weg zum Herd.
"Wenn die Kathrin wüsste", wirft Jupp in eine Gesprächspause ein, "wie schnell ihre so sorgsam gesparten Bündel zum Schornstein hinausgehen!"
"Sie würde sich im Grab umdrehen!"
"Ach, die Kathrin ist doch tot. Jetzt wird gestocht!", knurrt der Wellem dazwischen.
Das weitere Gespräch unterbricht die Schnapsflasche.
Dem "Drücke-Pitt" schießt ein frecher Gedanke durch den Kopf. Für Schelmenstreiche ist er seit jeher zu haben. Schneller lässt er die Schnapsflasche herumgehen. Eindringlicher werden die Gespräche. Die Augen glänzen mehr und mehr. Die Worte stolpern über die schon etwas steifen Zungen.
Reisigbündel um Reisigbündel wandert zum Herd. Der Sturm heult und jagt ums Haus. Bei besonders heftigen Windstößen schlagen die Flammen höher und wilder.
Noch einmal wird das harte Leben der einsamen, alten Kathrin durchgesprochen. Ihre Härte und äußere Kälte, ihre scharfe und keifende Zunge waren bekannt und gefürchtet in der ganzen Umgebung.
Währenddessen geht der "Drücke-Pitt" mit Bauernschläue an die Ausführung seines geheimen Planes. In schon lärmender Redseeligkeit versunken, bemerken Wellem und Jupp nicht sein heimliches Hinüberwechseln in die schattendunkle Totenstube. Matt schimmert das weiße Leinenzeug der aufgebahrten Kathrin ihm entgegen . . .
"Wat verbröhnt er mer ming Schängsjer?", tönt da auf einmal gefährlich und drohend die Stimme der Kathrin.
Panischer Schrecken weitet jäh die alkoholglänzenden Augen der beiden. Sie strarren zur Tür. Da steht die alte Kathrin, von grellem Feuerschein überflackert, in der offenen Tür. Unheimlich starren die dunklen Augenhöhlen aus dem bleichen Gesicht . . .
Wie von Teufelskrallen im Genick gepackt, werden die schweren Körper hinter dem eichenen Küchentisch hervorgerissen. Flaschen und Gläser fliegen klirrend zu Boden. Ein verzerrter Blick jagt noch von einem zum anderen, jetzt ein Springen, Trampeln der eisenbeschlagenen Stiefel, das Knarren der auffliegenden Haustür und das polternde Laufen über den Steinbelag vor dem Hause . . .
Dann ist`s unheimlich still im Totenhause. Der "Drücke-Pitt" ist allein mit der alten Kathrin. Das flackernde Feuer wirft gespenstische Schlaglichter über das weite Totengewand der Kathrin. Über ihre dürren, gefalteten Hände laufen zitternde Schatten. Heulend und pfeifend fahren die Windstöße um das Haus. Hier und da knarrt und knistert es in den Balken und an den Fensterläden. Schwer und steif werden dem "Drücke-Pitt" Arme und Beine. Verschwommene Vorstellungen von Toten, Auferstandenen und gähnenden Grablöchern irrlichtern in schreckhaften Bildern vor seinen umnebelten Augen . . .
Da jagt ihn das Entsetzen ins Freie . . .
Dünn und blechern tönt am anderen Morgen das Totenglöcklein vom alten Kirchturm herab. Ernst und feierlich erscheinen die Frauen in langen, schwarzen Kleidern und mit wollenen Kopftüchern, aus denen die Gesichter nonnenhaft hervorschauen, die Männer kommen in langen Gehröcken oder in den alten blauleinen Kitteln.
Schließlich erscheinen auch verlegen lächelnd der "Lange Wellem", der "Drücke-Pitt" und der "Hardt-Jupp". Durch eifriges und lautes Beten der Rosenkränze und der anderen Totengebete versuchen sie ihr Schuldbewusstsein der alten Kathrin gegenüber zu entlasten. In langem Trauerzuge wird dann endlich die Kathrin zu Grabe getragen. Noch einmal ertönen die Gebete auf dem Weg zur Dorfkirche mit ihrem tausendjährigen Friedhof. Mit einem letzten Blick mag die alte Kathrin von ihrem Häuschen und von ihrer Heimat, dem weiten, unendlichen Venn, Abschied genommen haben.


Unternehmen "Stösser"

Geschichtliches aus dem Hohen Venn


Ein Rückblick auf die Kriegsgeschehnisse im Hohen Venn in der Zeit vom 16. bis 19. Dezember 1944:
Im Rahmen der Ardennenoffensive erfolgt in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1944 der letzte große Einsatz deutscher Fallschirmjäger in diesem Krieg.
Unter dem Kommando von Oberstleutnant Freiherr von der Heydte wird unter großen personellen und materiellen Schwierigkeiten mit 120 Maschinen vom Typ JU 52 und bis zu 1200 Fallschirmjägern das Unternehmen "Stösser" in Gang gesetzt. Das Zielgebiet war die Straßengabelung im Hohen Venn bei Mont Rigi. Dieser strategisch wichtige Verkehrspunkt sollte gesperrt und wieder unter deutsche Kontrolle gebracht werden. Auf Grund des schlechten Flugpersonals erreichte jedoch nur ein ganz geringer Teil der Truppe das geplante Absprung- bzw. Zielgebiet.
In der Nacht zum 17. Dezember hatten sich schließlich 125 Mann um Oberstleutnant von der Heydte im Einsatzgebiet an der Straßengabelung gesammelt. Während der Dämmerung rollten amerikanische Truppen an denen im Gelände hockenden Deutschen vorbei. Auf Grund der Ähnlichkeit des Stahlhelms wurden sie von den freundlich grüßenden Amerikanern für Landsleute gehalten. Die Gruppe zog sich nach diesem Erlebnis in den angrenzenden Wald zurück.
Der Ausfall der Nachrichtenverbindung verhinderte jeglichen Kontakt zu den eigenen Linien. Wertvolle Informationen über Feindbewegungen, Artilleriestellungen und Bereitstellungen konnten so nicht weitergeleitet werden.
Ohne Verpflegung, aus Mangel an Munition und Kenntnis der Kriegslage, durch die Vennsümpfe völlig durchnässt und erschöpft, musste der Kommandeur am 19. Dezember das Unternehmen aufgeben und seine Gruppe auflösen. Die Männer sollten sich in kleinsten Gruppen in Richtung des vermeintlich wiedereroberten Ortes Monschau durchschlagen.
Hungernd und frierend irrten sie durch die Sümpfe des Hohen Venns, bis sie schließlich auf menschliche Niederlassungen stießen. Einzelne erreichten Dörfer im Kreis Malmedy, mehr als hundert von ihnen aber das weiterhin von den Amerikanern besetzte Monschau, darunter Oberstleutnant Freiherr von der Heydte selbst, der in der Nacht zum 22. Dezember in einem abgelegenen Haus am Ortsrand von Monschau Einlass begehrte.


"Das Kreuz der Macht"

Geschichtliches aus dem Hohen Venn


Denkt man sich das Plateau des Hohen Venns durchzogen von einer vom Polleurbach und dem Fluss Hill gebildete Querachse und einer vom Gileppebach über den Verlauf der "Via Mansuerisca" bis zum Ort Sourbrodt gebildeten Vertikalachse, so ergeben sich vier Abschnitte, die vom frühesten Mittelalter bis zur neuesten Zeit verschiedenen staatlichen Gebilden angehörten.
Aus diesem gedachten Kreuz ergibt sich folgende Zuteilung der Machtbereiche:

NW Marquisat de Franchimont              NO Limburg
SW Klosterbezirk Malmedy-Stavelot    SO Luxemburg

Marquisat de Franchimont:
Der nordwestliche Teil des Hochplateaus gehört heute zu den Gemeinden Sart und Jalhay, Ortschaften des ehemaligen Marquisat de Franchimont. Es stand in Abhängigkeit vom Fürstbistum Lüttich, das Jahrhunderte Sitz und Stimme im deutschen Reichstag hatte.
Im Jahr 1801
Lüttich und damit auch Franchimont kommen an Frankreich.
Im Jahr 1815
Angliederung an das Königreich der Niederlande.
Im Jahr 1830
Angliederung an das Königreich Belgien.

Limburg und Luxemburg:
Der nordöstliche und der südöstliche Teil des Hochplateaus war eng verbunden mit der Geschichte zweier Länder, der beiden um die erste Jahrtausendwende herum entstandenen Grafschaften und späteren Herzogtümern Limburg und Luxemburg.
Im Jahr 1404
Limburg kommt an Burgund.
Im Jahr 1451
Luxemburg kommt an Burgund.

Nachdem sie beide an das Herrscherhaus von Burgund gekommen waren, teilten sie das wechselvolle politische Geschick dieses Hauses, indem sie nacheinander dem Herrschaftsbereich der habsburgischen, spanischen und österreichischen Niederlande angeschlossen wurden.
Im Jahr 1795
Französische Verwaltungszeit.
Im Jahr 1815
Große Teile Limburgs fallen nach dem Wiener Kongress an das Königreich der Niederlande.
Luxemburg wird Großherzogtum, jedoch ohne die an Preußen gefallenen nördlichen Teile.
Im Jahr 1830
Die im Jahr 1815 den Niederlanden zugesprochenen Teile Limburgs kommen zum neugegründeten Königreich Belgien.

Klosterbezirk Malmedy-Stavelot:
Im Jahr 648
Gründung eines Klosters in Malmedy durch den heiligen Remaklus, den Apostel der Ardennen.
Im Jahr 650
Gründung eines Schwesterklosters in Stavelot.
Im Jahr 670
Der anfangs umfangreiche Klosterbezirk wird auf ungefähr die Hälfte beschränkt, und seine Grenzen durch das in lateinischer Sprache abgefasste Diplom des Frankenkönigs Childerich genau festgelegt. Die Grenze verlief über Hockai, Mockelkreuz, Via Mansuerisca, Botrange, Sourbrodt, Weismes, Stavelot, Francorchamps, Hockai.
Um das Jahr 1300
Gekürzter Grenzverlauf über Hockai, heutige Baraque Michel, Hill, Via Mansuerisca und weiter.
Im Jahr 1795
Die Klosterbezirke kommen unter französische Verwaltung.
Im Jahr 1815
Nach dem Wiener Kongress geht Stavelot an das Königreich der Niederlande.
Malmedy fällt an Preußen.
Im Jahr 1830
Stavelot kommt zum Königreich Belgien.
Im Jahr 1920
Malmedy geht im Rahmen der Gebietsabtretungen nach dem ersten Weltkrieg an das Königreich Belgien.

Außer den bisher erwähnten Herrschaftsgebieten hatte noch ein weiteres Territorium teil am Hohen Venn. Es war dies das Monschauer Land unter dem Herzogtum Jülich. Die Grenze zwischen den Herzogtümern Jülich und Luxemburg verlief im Bereich des Hohen Venns von Kalterherberg über Schwarzbach, Klüserbach, Pannensterzkopf und Miesbach bis zum Herzogenhügel. An dieser Stelle war ein Dreiländerpunkt, wo laut "Monschauer Protokoll" von 1569 die Weiderechte von Jülich, Luxemburg und Limburg zusammen stießen. Die Grenze zwischen den Herzogtümern Jülich und Limburg stieg von hier den Sporbach hinauf bis ins Brackvenn. Weiter ging es entlang des schnurgeraden, 3,8km langen Eupener Grenzgrabens aus dem Jahre 1774 bis zum Getzbach. Sie lief weiter längs Getzbach und Eschbach in Richtung Petergensfeld.

"Eine Sage"
Allgemeines aus dem Hohen Venn



Wie das Flüsschen Rur entstand und ein Dörflein den Namen Sourbrodt bekam:
Vor uralter Zeit wanderte ein steingrauer Zwerg über die Eifelberge. Er wollte das Leben und Treiben der Menschen kennen lernen, um die Guten belohnen und die Bösen bestrafen zu können.
Aber der Weg über die öden Berge war beschwerlich, die Dörfer und Weiler lagen halbe Tagesreisen voneinander entfernt, und die Sommersonne sengte und dörrte das zähe Heideried. Den einsamen Wanderer quälte der Durst unsäglich und zwang ihn ermattet auf einen Wegstein nieder.
Vor Müdigkeit fielen dem Zwerg fast die Augen zu. Da klangen stolpernde Schritte hinter dem nächsten Hügel. Es war die alte "Schulzemöhn", die zweimal in der Woche Botengänge über die Höhe machte und auf dem Wege ihren Durst mit Beeren stillte. Als die den Ruhenden sah, hielt sie die eben gesammelten Beeren hin und meinte treuherzig: "Sur Brod es got!"
Als der Zwerg sich gestärkt hatte, bat er die Muhme einen Wunsch zu äußern. Die aber blieb vor Staunen und Schreck stumm. Da sagte der Zwerg: "Gutes will ich tun an deinen Kindern und Enkeln und an diesem wasserarmen Lande."
Und er hieß sie dort, wo sie stehe, zu graben und verschwand. Die alte Frau begann zu graben, und bald sprang ein silberklarer Quell aus der Erde, floss als Bächlein ins Tal und ward in der Ebene zu einem schönen Fluss. Es war die Rur.
Das Tal unweit der Quelle, in dem die Beeren wuchsen, blühte herrlicher denn zuvor. In seinem Frieden siedelten sich bald Wandermüde und Heimatfremde an. So ward aus den einzelnen Siedlungen und Hütten ein Dörflein, das den Namen Sourbrodt erhielt.

"Geschichte unserer Wälder"
Botanisches aus dem Hohen Venn



Zeitalter und Geschehnisse:
Ab 2.500 v.Chr.
Die Buche hat die Eiche und Linde bei den großen Gehölzen verdrängt. Der Grund dafür liegt in der allgemeinen Erwärmung des Klimas.

13. bis 15. Jahrhundert n.Chr.
Die Wälder werden zunehmend in das Landleben mit einbezogen. Dabei unterscheidet man zwischen zwei großen Nutzungsformen:
1.) Die "Forste" als reine Jagdwälder für die Lehnsherrn.
2.) Die "Busche" als vielfältige Nutzwälder für die Dorfbevölkerung.


Ab dem 15. Jahrhundert n.Chr.
Die "Forste" werden zunehmend zur Gewinnung von Holz und Holzkohle erschlossen.
Die "Busche" werden durch vielfältig steigende Nachfrage immer intensiver genutzt.
Die gängigsten Nutzungsformen waren:
- Holzschlag
- Streusammeln
- Schwenden
- Abrinden
- Beweiden


16. bis 18. Jahrhundert n.Chr.
Durch die sich stark entwickelnde Eisenindustrie werden große Buchenholzbestände zur Holzkohlegewinnung vernichtet.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts n.Chr.
Durch die inzwischen weitflächige Vernichtung der ehemals natürlichen Wälder kommt es zu einer beträchtlichen Ausdehnung der Venn- und Heideflächen.

Ab etwa 1800 n.Chr.
Durch den beginnenden Einsatz von Düngemitteln verringert sich der Bedarf an Nutzland. Es kommt zur Bildung von ausgedehnten Ödlandflächen.

Ab etwa 1840 n.Chr.
Auf preußischer Seite setzt die Aufforstung mit der Fichte ein. Auf belgischer Seite gibt es erste Pflanzversuche mit der Kiefer.

27. März des Jahres 1847 n.Chr.
Infolge großer Hungersnöte wird ein Gesetz über die Nutzung von Brachflächen erlassen. Es besagt, dass niemand mehr Besitzer von unproduktiven Flächen sein darf. Durch den Einfluss dieser Gesetzgebung kommt es auf den weitläufigen Flächen der Gemeinden, Klöster und Großgrundbesitzer zur Aufforstung mit der Fichte.

Ab etwa 1850 n.Chr.
Ausgedehnte Aufforstungen mit der Fichte auf belgischem Gebiet.

Um 1900 n.Chr.
Nach weiterer Vernichtung der Laubholzbestände beträgt der Fichte in vielen Revieren schon um die 70 %.

Heute
Es gibt wieder Bemühungen zur Wiederanpflanzung von einzelnen Laubholzbeständen.

Die "Via Mansuerisca"
Geschichtliches aus dem Hohen Venn



Name und Bedeutung:
Via Mansuerisca ist der Name einer alten Strasse, deren Ursprung vermutlich bis in die Römerzeit zurück geht. Die genaue Bedeutung des Namens konnte bis heute noch nicht einwandfrei festgestellt werden, zumal für die unterschiedlichen Schreibweisen verschiedene Bedeutungen vorliegen. Nachfolgend einige unterschiedliche Schreibweisen und Deutungen:

  • Mansuerisca = mansuarius = Siedler = Strasse der Siedler
  • Mansuarisca = Masuarien = Raum der Maas = Strasse zum Maasraum
  • Transverisca = Kolonistenweg
  • Transwarisca = über die Warche

    Da keine dieser Lösungen bis in unsere Zeit völlig überzeugen konnte, kehrt man immer wieder zu ursprünglichen Erklärung der Via Mansuerisca als Siedler- und Kolonistenstrasse zurück.

    Wissen und Unwissenheit:
    Erstmals erwähnt wurde der Name "Via Mansuerisca" im Diplom des Frankenkönigs Childerich II. aus dem Jahre 670. Darin wurden die Grenzen der Klosterbezirke Malmedy-Stavelot revidiert und neu festgelegt. Weitere Erwähnungen gab es noch in Urkunden aus den Jahren 814 und 950, in denen die Grenzziehungen bestätigt wurden. Mit der Zeit aber verschwand nun das Wissen um diese Strasse mehr und mehr aus den Köpfen der Menschen. Auf festem Untergrund führten neue Wege und Strassen über ihren ursprünglichen Verlauf hinweg. Im Bereich der sumpfigen Venngebiete wurde sie mehr und mehr vom Moor überwuchert. Erst im Jahre 1768 wurde sie von Forst- und Zollbeamten Maria Theresias oberhalb von Drossart wiederentdeckt. Zu diesem Zeitpunkt suchte man in dieser Gegend nach einer Wegeführung zwischen den Provinzen Limburg und Luxemburg, welche beide zu den österreichischen Niederlanden gehörten. Bei diesen Arbeiten stieß man unter einer dicken Torf- und Moorschicht auf das Steinpflaster einer alten Strasse. Nach zweimonatigen Nachforschungen hatte man den Verlauf von Drossart über die Hill bis Les Wez wieder entdeckt. Die enormen Kosten für eine Wiederherstellung schreckten die Behörden jedoch ab, und durch die in den nachfolgenden Jahren einsetzenden Revolutionswirren geriet die alte Via Mansuerisca wieder in Vergessenheit. Im Jahre 1804 suchte der Unterpräfekt Perigny aus Malmedy ebenfalls nach Möglichkeiten zur Wiederherstellung dieser uralten Strasse, aber seine Bemühungen führten in dieser unruhigen Zeit zu keinem Ergebnis. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Versuche von deutschen und belgischen Archäologen die Streckenführung zurückzufinden. Diese Bemühungen blieben mehr oder weniger ohne Erfolg. Erst im Jahre 1932 gelang es Abbe´Bastin tatsächlich, die Via Mansuerisca in der Nähe der Hill etwa 400m unterhalb der Quelle zweifelsfrei wieder zu entdecken. Er konnte die Streckenführung auf Grund von drei Freilegungen an der Hill, bei Brochpierre und in Les Biolettes bis Drossart nachweisen. Auch heute noch beruht das meiste Wissen über den Verlauf und Bestand dieser mysteriösen Strasse auf den Forschungen des Abbé Bastin.

    Altersstellung:
    Erste Untersuchungen des Abbe´Bastin legten den Ursprung mit einer Datierung in die erste Hälfte des 4.Jahrhunderts eindeutig in die Römerzeit. Spätere Untersuchungen nach der Radiokarbon-Methode C14 bestätigten den Ursprung in die Römerzeit. Als Mittelwert wurde das Jahr 208 n.Chr. +/- 119 Jahre bestimmt. Erst Untersuchungen mit naturwissenschaftlichen Methoden datieren die Hölzer des Unterbaus in die Zeit des AD 5.- 9. Jahrhunderts, also in die Merowinger- oder Karolingerzeit.

    Auch gibt es Vermutungen, dass diese große Vennstraße schon in vorrömischer Zeit ein bedeutender Verbindungsweg war.
    Im Rahmen der Ausgrabungen, die im Jahre 2004 stattfanden wurde auch eine geochemische Analyse sowie Zeitbestimmung per Radiokarbon-Methode C14 am Straßenrand durchgeführt, die nun die These nahelegen, dass das Alter der Konstruktion zwischen der römischen und der merowingischen Periode liegen könnte. Die benutzte Methode ist jener ähnlich, die durch Dalemans und Streel 1986 beschrieben wurde und besteht in der gemeinsamen Analyse der Pollen und des Mineralstaubes. Die Straße könnte somit zwischen AD 300 +/- 90 und AD 460 +/- 80 gebaut worden sein. Das ältere Datum entspricht den ersten Invasionen der Alemannen und Franken und der Krise des römischen Imperiums im 3. Jahrhundert. Das jüngere Datum entspricht der endgültigen Machtergreifung durch die Merowinger im Hochmittelalter.

    Wie dem auch sei - wahrscheinlich dürfen wir im Moment davon ausgehen, dass die Altersstellung noch einige Zeit genau so mysteriös bleibt wie manch anderes Wissen um diese Straße.

    Streckenführung:
    Der Verlauf der Via Mansuerisca ist heute von Drossart im Norden bis Botrange im Süden auf einer Strecke von ca. 5 km zweifelsfrei nachgewiesen. Über die weiteren Fortsetzungen nach Norden und Süden gibt es verschiedene Theorien. Leider ist außerhalb des Moorgebietes eine genaue Festlegung durch die ständigen Veränderungen des Geländes unmöglich. Man nimmt allgemein an, dass die Strasse nach Norden zu eine Verbindung zu den alten Römischen Reichsstrassen Köln-Bavai und Köln Dinant hatte. In Richtung Süden vermutet man eine Anbindung an die große Strasse Köln-Reims. Damit wäre die Via Mansuerisca ohne Zweifel eine wichtige Querverbindung zwischen verschiedenen Siedlungsräumen gewesen. Jedoch bleiben jedem Leser gewisse Zweifel zugestanden, denn echte Beweise fehlen und für kühne Theorien bleibt dann zwangsläufig viel Platz.

    Aufbau:
    Die Bauart im Bereich des Moorgeländes weicht im Detail an verschiedenen Stellen leicht von einander ab, gibt uns aber ein allgemeines Bild der Konstruktion. Sie bestand aus dreifach übereinandergeschichteten Hölzern und einer darüber befindlichen Decklage aus Steinblöcken und Schotter. Die Straßenbreite betrug ca. 6 m.


    Als Hauptträger, auf denen die ganze Anlage ruhte, wurden rechts und links zwei schwere Holzbohlen (1) von je etwa 1,20 m Länge ins Moor eingelassen. Seitlich ragten sie etwa mit einem Drittel über die Strasse hinaus und wiederholten sich in Abständen von 4 m. Auf diesen seitlichen Querbalken ruhten je ein kräftiges Langholz (2) in Fahrtrichtung. Streckenweise konnte in der Mitte der Strasse ein drittes Langholz (3) verbaut werden, welches direkt auf dem Torf ruhte. Quer über diese zwei bis drei Längshölzer wurde über die ganze Straßenbreite hin Rundhölzer (4) in enger Folge als eine Art Knüppeldamm verlegt. Auf diese Holzkonstruktion legte man nun größere Steinblöcke (5) mit der flachen Seite nach unten. Darauf folgte eine Schicht aus grobem bis feinem Schotter (6), welcher zum Auffüllen der Unregelmäßigkeiten diente und eine glatte Strassendecke ergab. Die Konstruktion der Strasse enthielt noch eine Besonderheit, die zu vielen Überlegungen Anlass gab. Die untersten schweren Holzbohlen (1) waren an den Seiten mit zwei nebeneinander liegenden Löchern versehen, in denen Holzpflöcke (7) ruhten. Die nach unten weisenden Spitzen ragten in den Torf hinein und hätten der Konstruktion im Torf mehr Stabilität geben könne. Der nach oben weisende Teil ragte vielleicht über die ganze Straßenanlage hinaus und könnte der Kenntlichmachung des Straßenverlaufs gedient haben. Ebenfalls könnte die Tatsache, dass jeweils zwei Pflöcke nebeneinander standen, den Schluss zulassen, dass zwischen ihnen längsverlaufende Holzplanken angebracht waren, die ein Abrutschen der Schotterlage ins Moor verhindern sollten.

    Brutvögel im Hohen Venn

    Ornithologisches aus dem Hohen Venn



    Die Liste erhebt nicht den Anspruch auf absolute Vollständigkeit. Zu- und Abwanderung, Populationsschwankungen, Veränderung der Lebensräume usw. können zu natürlichen Schwankungen führen, auf die hier keine Rücksicht genommen werden kann. Die Grenzen der Lebensräume sind natürlich fliessend und verhindern damit meist eine exakte räumliche Zuordnung.
    Fazit: Die Auflistung ist als Orientrierungshilfe für ornitholigisch interessierte Naturfreunde gedacht.

    Lebensraum Hochmoor
    Birkhuhn, Tetrao textrix

    Lebensraum Niedermoor
    Feldschwirl, Locustella naevia
    Rohrkammer, Emberiza schoeniclus
    Bekassine, Gallinago gallinago
    Braunkehlchen, Saxicola rubetra

    Lebensraum Heide
    Allgemeine Heidegebiete
    Dorngrasmücke, Sylvia communis
    Gartengrasmücke, Sylvia borin
    Steinschmätzer, Oenanthe oenanthe
    Heckenbraunelle, Prunella modularis
    Kuckuck, Cuculus canorus
    Wacholderdrossel, Turdus pilaris
    Kibitz, Vanellus vanellus
    Ziegenmelker, Caprimulgus europaeus

    Offene grasige Heideflächen
    Wiesenpieper, Anthus pratensis
    Feldschwirl, Locustella naevia

    Heiden mit geringen Baum- und Strauchbewuchs
    Schwarzkehlchen, Saxicola torquata
    Raubwürger, Lanius excubitor

    Heiden mit viel Baumbewuchs
    Baumpieper, Anthus trivialis

    Lebensraum Wald

    Sumpfige Birken- und Erlenwälder
    Fitis, Phylloscopus trochilus
    Zilpzalp, Phylloscopus collybita
    Birkenzeisig, Carduelis flammea
    Weidenmeise, Parus montanus

    Sumpfige Birken- und Erlenwälder
    Fitis, Phylloscopus trochilus
    Zilpzalp, Phylloscopus collybita
    Birkenzeisig, Carduelis flammea
    Weidenmeise, Parus montanus

    Eichen- und Birkenwälder
    Pirol, Oriolus opidus (selten)

    Eichen-, Birken- und Buchenwälder
    Kleiber, Sitta europea
    Gartenbaumläufer, Certhia brachydactyla
    Waldbaumläufer, Certhia familiaris

    Eichen-, Birkenwälder und junge Nadelwälder
    Waldschnepfe, Scolopax rustica (Vorkommen fraglich)

    Buchenwälder und alte Nadelwälder mit Unterwuchs
    Waldlaubsänger, Phylloscopus sibilatrix
    Grünspecht, Picus viridis (selten)
    Grausprecht, Picus canus (selten)

    Allgemeine Laubwälder
    Buntspecht, Dendrocopos major
    Kleinspecht, Dendrocopos minor
    Schwarzspecht, Dendrocopos martius
    Mittelspecht, Dendrocopos medius (selten)
    Hohltaube, Columba oenas
    Haselhuhn, Tetrates bonasia

    Fichtenwälder
    Fichtenkreuzschnabel, Locxia curviristra
    Sommergoldhähnchen, Regulus ignicapillus
    Wintergoldhähnchen, Regulus regulus
    Haubenmeise, Parus cristatus
    Tannenmeise, Parus ater
    Schwanzmeise, Aegithalos caudatus
    Ringdrossel, Turdus torquatus

    Laub- und Fichtenwälder
    Wacholderdrossel, Turdus pilaris


    Das Torfmoos-Sphagnum
    Botanisches aus dem Hohen Venn



    Die wohl wichtigste Gruppe von Pflanzen in den Moorkörpern des Hohen Venns sind sicherlich die Torfmoose. Sie haben im Gegensatz zu anderen Pflanzen keine Leitbahnen zum Transport von Wasser und Nährlösung. Durch die dochtartig anliegenden Zweige und die schuppenförmigen Blätter kann das Moorwasser kapillar an der Pflanze aufsteigen. Darüber hinaus besitzen die Torfmoose Wasserspeicherzellen (Hyalin-Zellen) mit denen sie durch Aufnahme oder Abgabe den Wasserspiegel regulieren können. Sie können das 15 bis 30-fache der eigenen Masse an Wasser speichern.

     

    Durch diesen Wassertransport werden grosse Mengen an Nährstoff-Ionen transportiert. Das Tormoos zieht also seine Nährstoffe durch den kapillaren Aufstieg nicht nur aus dem Niederschlagswasser sondern auch direkt aus dem Moorwasser. Auf den Blattoberflächen und in den Hyalin-Zellen werden sodann die Nährstoff-Ionen gegen Wasserstoff-Ionen ausgetauscht. Dieser Vorgang führt zu einer starken Versäuerung des Moorwassers bis zu einem pH-Wert von unter 4. Die Torfmoose schaffen so die extremen Bedingungen im Moorwasser selbst und schliessen die Konkurrenz anderer Pflanzen aus. Eine weitere Besonderheit dieser Pflanzen ist das Fehlen von Wurzeln. Es gibt einen oberen Wachstumsbereich und einen unteren mit der Zeit absterbenden Teil. Diese Pflanzenteile sinken mit der Zeit zu Boden und bilden Torf.


    Gerölle und Steine
    Geologisches aus dem Hohen Venn

    - Vertreut liegende Quarzitblöcke -

    Im Hohen Venn bemerkt man immer wieder einzeln liegende Quarzitblöcke. In manchen Hanglagen können diese Gerölle in Massen zu finden sein. Wo liegt nun die Herkunft dieser Blöcke?


    Bild 1: Während des Tertiärs vor 65-2,5 Mill. Jahren war das kambrische Gestein in einem warmen Klima einer starken chemischen Verwitterung ausgesetzt. Die Oberfläche war mit Gesteinsschutt vom Ton bis zu mächtigen Quarzitblöcken bedeckt.


    Bild 2: Durch Erosion wurde der feine Gesteinsschutt abgetragen. Einzelne Blöcke wurden freigelegt.


    Bild 3: Im periglazialen Zeitraum des Quartärs vor 2 Mill. Jahren konnte die Oberfläche des bis in große Tiefe gefrorenen Bodens auftauen. Auf stark geneigten Hängen bildeten sich nun wassergesättigte Schlammströme. Sie konnten die auf ihrer Oberfläche schwimmenden Quarzitblöcke oft über große Entfernungen transportieren.


    Bild 4: Auf schwach geneigten Hängen konnte der wassergesättigte Boden als langsamer Solifluktionsstrom diesen Transport bewerkstelligen.






    Palsen und Pingos
    Geologisches aus dem Hohen Venn

    - Frosthügelreste im Hohen Venn -

    Im Hohen Venn finden sich auf einer Fläche von mehr als 2000 ha Reste von periglazialen Hügeln. Diese vorwiegend rundlichen Becken liegen auf einer Höhe von 500 m bis 700 mNN. Die Standorte sind in flachem Gelände oder an Hängen mit geringer Neigung von weniger als 5%.

    Sie können eine Größe von bis zu 50 m Durchmesser haben. In Hanglagen sind längliche Formen von einigen hundert Meter Länge anzutreffen. Über lange Zeit hielt der Volksglauben diese Beckenformen für ehemalige Fischteiche, Viehtrenken, Steinbrüche oder Vulkankrater. Erst durch die wissenschaftliche Arbeit der Universität in Lüttich wurde Licht in dieses Dunkel gebracht. Im Jahre 1956 sprach man erstmals von Pingos. Auf Grund weiterer Untersuchungen wurde diese Interpretation 1974 revidiert. Es konnte nachgewiesen werden, daß diese periglazialen Hügel durch Segregationseis gebildet wurden. Diese Frosthügelformen bezeichnet man im finnischen Ursprung als Palsen oder Palsa.

    Bei den echten Pingos hingegen erfolgt das enorme Wachstum durch an die Oberfläche durchbrechendes Wasser. Dieser Vorgang führt zur Bildung von teilweise gewaltigen kompakten Eislinsen. Ein solches Wachstum erfordert ein hydraulisches Drucksystem in den wasserführenden Bodenschichten, welches auf den flachen Höhenrücken des Hohen Venns nicht zur erwarten ist.

    - Entstehung eines Palsen -


    Die Palsen im Hohen Venn entstanden in der jüngeren Dryaszeit des Pleistozän (9000-8300 v. Chr.). Zu dieser Zeit herrschte hier ein raues Klima. Die Temperaturen lagen im Jahresmittel zwischen -1°C bis -5°C. Während des Sommers konnte der Boden oberflächlich auftauen. Eine weitere wichtige Bedingung für die Entstehung von Palsen war das sehr feuchte und feinkörnige Bodensubstrat (unter 1/20 mm).

    Bild 1: In der schneereichen Landschaft konnte der Frost in durch Verwehung freigelegten Boden verstärkt eindringen.

    Bild 2: Der anhaltende Frost führt zur Bildung von Segregationseislinsen. Bei diesem Gefrierungsprozeß wurde die Wassermenge in den Bodenkappilaren verringert, und Wasser aus größerer Tiefe angesogen. Diesen Vorgang nennt man Kryosuktion. Solange sich die Bildung von kleinen Eislinsen und der Nachtransport von Wasser ausgleichten, wuchsen die Hügel.

    Bild 3: Durch die wachsende Hangneigung setzte ein erstes Rieseln zum Rand des Hügels ein.

    Bild 4: Im wärmeren Sommer konnten die oberen Bodenschichten des Palsen auftauen. Durch das Abgleiten einzelner Lagen bildeten sich am Rand des Hügels erste größere Schüttungen. Durch die langsam einsetzende Erwärmung des Klimas wurde dieser Prozeß noch verstärkt.

    Bild 5: Im Präboreal des Holozän (8300-7000 v.Chr.) erwärmte sich das Klima bis zum völligen Abtauen der Frosthügel. Die seitlichen Bodenschichten senkten sich dabei leicht ab. Die so gebildeten Becken füllten sich rasch mit Niederschlagswasser.

    Bild 6: In der Folgezeit lagerte sich abgestorbenes Pflanzenmaterial in den wassergefüllten Senken ab. Durch Sauerstoffmangel und niedrigen ph-Wert wurde das organische Material nicht vollständig zersetzt. Es bildete sich Torf.

    Bild 7: In heutiger Zeit sind viele dieser Frosthügelreste durch Trockenlegung und Abtorfung freigelegt. In einzelnen Hochmoorbereichen des Hohen Venns lassen sich unter mächtigen Torflagen noch unberührte Frosthügelformen vermuten.




    Das Ökosystem Moor
    Allgemeines zum Hohen Venn

    - Wert und Gefahren -

    Moore nehmen unter den Ökosystemen unserer Erde eine Sonderstellung ein. Es sind die einzigen Lebensräume mit einer positiven Stoffbilanz, d. h. die Bildung organischer Substanz ist grösser als ihre Zersetzung. Dieser Zuwachs an organischer Masse und seine Ablagerung in Form von Torf sind aber nur an Standorten mit Wasserüberschuss möglich, an Stellen, wo die Vegetationsdecke fortwährend im Wasser steht, ohne dabei ihr Wachstum zu unterbrechen. Die wasserhaltenden Eigenschaften der auwachsenden Torfschichten bewirken bei ausreichender Wasserzufuhr die Stabilität und weiteres Wachstum dieser Ökosysteme.

    Durch das Aufwachsen eines Moores wird ständig Wasser aus dem natürlichen Kreislauf des Abflussgeschehens herausgelöst und im Moor gespeichert. Dieses Speichervermögen kann bei ungestörten, nichtentwässerten Mooren zu einem Wassergehalt von bis zu 95 % führen. Kein anderer Boden vermag in vergleichbarem Maße Wasser zu speichern.

    Der haushälterische Umgang der Moore mit dem Wasser muss sich zwangsläufig in einem höheren und kontinuierlichen Gebietsabfluss auswirken, und das ist ohne Zweifel positiv zu bewerten. Sie sind also landschaftsökologisch hochwirksame Wasserspeicher. Neben der Wasserrückhaltung kommt der Filterwirkung lebender Moore in unserer zunehmend belasteten Umwelt eine gesteigerte Bedeutung zu.

    Niemand zweifelt heute daran, dass ungestörte Moore im Haushalt der Natur eine ausserordentliche Rolle spielen. Sie sind für die Bewahrung der Mannigfaltigkeit der Fauna und Flora unserer Erde unersätzliche und das Gleichgewicht der Natur stabilisierende Lebensräume.

    Durch Eingriffe des Menschen sind heute viele Moorgebiete stark gestört. Für jedwede Nutzungsform ist dabei die Entwässerung eine Grundvoraussetzung. Durch Moorentwässerung werden die stillgelegten Stoffkreisläufe mobilisiert, d. h. das Wasser wird abgeführt, die organische Substanz baut sich biochemisch ab und Stickstoff wird freigesetzt.

    Jede Entwässerung löst damit Prozesse aus, die zu einer unumkehrbaren ständig fortschreitenden Veränderung der biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften des Torfkörpers führen. In solcher Form gestörte Moore zeigen ein verändertes hydrologisches Verhalten. Durch Sackung, Schrumpfung und Mineralisierung verlieren diese Standorte die Eigenschaft, sich bei Wasseranfall auszudehnen. Der einst prägende Grundwassereinfluss wird an diesen Standorten zunehmend durch Haft und Staunässe ersetzt.

    Diese forschreitende Störung der Ökologie der Moore kann nur durch eine drastische Verbesserung der allgemeinen Umweltsituation abgestellt werden. Voraussetzung für eine Renaturierung gestörter Moorflächen ist die Unterbindung jedes unkontrollierten Wasserabflusses. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört deshalb die sichere Schliessung aller alten Entwässerungsgräben. Zur Entlastung des Wasserhaushaltes müssen auch verbuschte und bewaldete Flächen vom Baumbewuchs befreit werden.

    Nur wenn es gelingt, den Moorwasserspiegel so weit anzuheben, dass die Oberfläche der Moore fast ganzjährig im Wasser steht, wird eine weitere Verschlechterung aufgehalten, und es kann sich wieder eine torfbildende Pflanzendecke bilden, die der ursprünglichen zumindest ähnlich ist.